Wo war ich stehen geblieben? Genau. Noch 96 km zu radeln. Und nur viereinhalb Stunden Zeit. Um das zu schaffen, müsste ich gute 13 mph oder 21 km/h im Schnitt mit dem Fahrrad fahren. Definitive machbar. Aber nach knapp 50 Meilen doch etwas anstrengend. Mir ist durch den Kopf gegangen, dass ich theoretisch einfach umdrehen und den gleichen Weg zurück fahren könnte und dann auch fast 100 Meilen drin hätte. Am Raststop hab ich die zwei Fahrradfahrer wieder getroffen, die an mir vorbei gefahren sind, als ich meinen platten Reifen gewechselt habe. Hab den beiden meine Idee der alternativen Route mitgeteilt, und die beiden haben keinen Hehl daraus gemacht, dass für die beiden nur die ursprüngliche Route in Frage kommt. Nach diesem unbeabsichtigten Angriff auf mein Ego hatte ich dann keine Wahl mehr. Die beiden haben mich noch auf ein anderes Mädel aufmerksam gemacht, die sich auch verirrt hatte. Wir haben dann kurzerhand beschlossen, alle zusammen loszufahren. Es stellte sich dann aber doch ziemlich schnell raus, dass das Mädel nicht sehr schnell war, und kurz danach waren nur noch ich und die zwei anderen Radfahrer zusammen. Nach dem Raststop ging’s hauptsächlich bergauf. Und die beiden fielen dann irgendwann auch zurück. Normalerweise würde es mich ja nicht stören, langsamer zu fahren. Aber ich war hier ja ein wenig unter Zeitdruck. Konnte also nicht nett sein, und hab fleissig versucht, mein Tempo zu halten. Kurz darauf kam der längste Berg dieser Tour. Da kann man machen was man will. Wenn man nur Pudding in den Beinen hat, dann geht’s nur langsam bergauf. Aber zumindest war ich nicht die Letzte. Da fühlt man sich gleich besser. Nach einem Viertel des Weges bin ich dann an so einem Schild vorbeigefahren, auf dem Stand: Weiterfahren! Ist noch ein kleines Stück. Wenn ich nicht so unter Zeitdruck gewesen wäre, hätte ich bestimmt auch noch ein Foto gemacht, aber Zeit war ja, was mir fehlte. Nach einem weiteren Viertel ein zweites Schild: Fast geschafft! Wirklich? Ja! Klang ja sehr ermutigend. Ich hab natürlich einfach mal vorausgesetzt, dass die Schilder von den Organisatoren angebracht wurden. Kurz danach, kam dann das dritte Schild: Mara & Odins Hochzeit. Nur noch ein kurzes Stück. Damit wurde auch dieser Irrtum beseitigt. Und natürlich heisst das auch, dass die Spitze nicht so schnell wie gehofft in Reichweite ist. Also immer schön weiter radeln. Schön die Beinchen bewegen. Und dann endlich oben auf’m Berg. Das folgende Foto sollte euch bekannt vorkommen. Hab ich ähnlich hier schon mal geschossen.
Wenn ihr jetzt auf die Karte schaut, dann bin ich fast auf Highway 1. Jetzt denkt ihr bestimmt: Ach, wie schön. So am Meer lang fahren. Gemütlich auf dem Fahrrad. Das Rauschen. Die salzige Luft. Ja, das hört sich sehr idyllisch an, nicht wahr?! Ich will nur ungern diese schöne Seifenblase platzen, hilft aber alles nichts. Highway 1 ist die schlimmste Strecke auf dieser ganzen Tour. Und das nicht, weil es nicht schön ist. Ganz im Gegenteil. Es ist wunderschön. Nicht wahr?!
Aber so knapp 10 Meilen / 16 km mit Gegenwind? Wenn man sowieso keine Zeit hat? Und nachdem sich die Beine nach dem langen Weg bergauf spätestens jetzt wie Pudding anfühlen? Nicht so spaßig. Ganz im Gegenteil, mental sind das die schwersten 10 Meilen. Wenn man nicht so weit vom Start entfernt wäre, dann würden viele an dieser Stelle das Handtuch schmeißen. 9 zusätzliche Meilen, weil man nicht rechtzeitig links abgebogen ist, sind an dieser Stelle auch nicht besonders hilfreich. Kann man aber nichts machen. Es sei denn, man hat keinen Stolz und lässt sich von den Helfern einsammeln. Ich NICHT! Auch wenn’s weh tut. Aber Warmduscher können sich andere schimpfen. ;) Und siehe da, Durchhaltevermögen wird prompt belohnt. Kurz vor Highway 116, auf den wir rechts abbiegen mussten, hab ich doch glatt diese beiden alten Männer überholt, die sich beide nicht verirrt hatten, sondern einfach nur ein bisschen langsamer waren. Hab mich gleich besser gefühlt. Kurz danach, kam dann der vorletzte Raststop. Die beiden sind kurz nach mir eingetrudelt, und wir haben kurzerhand beschlossen den Rest zusammen zu fahren. Ich hatte nämlich meine Wegbeschreibung in meine Tasche gesteckt, das aber vergessen, und war jetzt fest davon überzeugt dieselbe verloren zu haben. Da ich alleine meinen Weg nicht zurück gefunden hätte, waren das für mich also ganz glückliche Umstände. Die beiden waren auch voll nett. Haben sich gleich als die Bummelletzten vorgestellt. Und zusammen haben wir ein gutes Tempo voran gelegt. Zu diesem Zeitpunkt waren es noch 35 Meilen und gute zwei Stunden bis wir hätten am Ziel ankommen müssen. Die nächsten 20 Meilen gingen relativ schnell vorüber. 11 Meilen vorm Ziel gab es den letzten Raststop. Schnell noch was gegessen. Es war mittlerweile 16 Uhr. Und wir haben uns alle eingeredet, dass die Organisatoren uns bestimmt die letzten 11 Meilen radeln lassen, selbst wenn wir erst nach 16.30 Uhr am Weingut eintreffen. Und immerhin, da waren ja noch drei Radfahrer hinter uns. Der Traum war wenig später aus, als die letzten drei Radfahrer im Hilfswagen an uns vorbei fuhren. Jetzt waren wirklich wir die drei Bummelletzten. Und zwei Meilen später auch dazu gezwungen, unsere Fahrräder aufzuladen und uns zum Weingut zurück chauffieren zu lassen. Zum Glück für mich stand auf meinem Tacho: 101,6 Meilen oder 163,5 km. Ich bin also am Ende doch viel weiter geradelt als alle anderen. Und die Moral von der Geschichte? Nächstes Mal iPhone mitnehmen und auf der Google Karte die Wegbeschreibung verfolgen.




