„Ich liebe meine Zähne“ stand auf jeder Postkarte, die mir mein Zahnarzt in Marburg einmal im Jahr geschickt hat, um mich an meinen Termin zu erinnern. Als ich dann nach San Francisco gezogen bin, hat es fast zwei Jahre gedauert, bis ich mir endlich einen neuen Zahnarzt gesucht hatte. Man könnte hier natürlich fälschlicherweise daraus schlussfolgern, dass ich nicht gerne zum Zahnarzt gehe. Falsch! Ich war/bin ;) einfach nur faul. Ist wie mit dem email schreiben … . Wie dem auch sei, bin in den letzten 6 Jahren regelmäßig beim Zahnarzt gewesen, und das auch unwahrscheinlich gerne. Mein Zahnarzt heisst Jeremy (in Amiland ist man ja nicht so förmlich und spricht alle mit Vornamen an), aber die Schwestern und Assistenten nennen ihn gerne Dr. V. Ich kann gar nicht genau sagen, warum ich meinen Zahnarzt mag. Ich hatte, ehrlich gesagt, nie große Probleme mit meinen Zähnen, und daher waren größere Zahnbehandlungen nie nötig. Nach meinem dritten Termin hatte Dr. V mich dann überzeugt, dass ich mir doch meinen letzten, verbleibenden Weisheitszahn von ihm entfernen lassen sollte; und nach einigem hin und her (hab extra meine Röntgenbilder aus Deutschland herschicken lassen, weil ursprünglich ein Nerv im Weg war, und den Zahn daher niemand anrühren wollte) war’s dann endlich soweit. Man muss sich ja darauf auch mental so’n bisschen vorbereiten. In Marburg war ich ganz naiv, und als der Arzt dabei war, mir den halben Kiefer rauszureißen, saß ich schon im Zahnarztstuhl fest, und konnte nicht mehr weg. Ich kann immer noch nicht glauben, dass das so glimpflich ausging. Mal abgesehen von den Blutergüssen natürlich. Zum Glück waren die auch nur auf meine Wangen beschränkt. Nicht so bei meiner Freundin Eva, die, wenn ich mich recht erinnere, mit einem blauen Auge davon kam. Wie dem auch sei, der Tag kahm, an dem ich meinen 29. Zahn (hab jetzt nur noch 28) verlieren sollte. Ich saß wieder im Zahnarztstuhl fest, und hatte schon die Betäubungsspritzen hinter mir. Und dann ging’s an den Zahn. Während Dr. V irgendwas in meinem Mund anstellte (keine Ahnung was, konnte ja nichts spüren), wartete ich darauf, dass er nach der Zange verlangte, um mir gegebenenfalls den Kiefer zu brechen, sollte dieser widerspenstige 29. Zahn sich nicht von mir trennen wollen. 10 Sekunden später, ungelogen, ich wollte gerade fragen, wann er denn endlich am Zahn zieht, präsentiert Dr. V mir doch meinen vierten und letzten Weisheitszahn. Hab mich natürlich unheimlich gefreut, aber versteh immer noch nicht, warum meine ersten drei Zähne, obwohl alle halb draußen, soviel schwieriger zu ziehen waren. Nach dieser Erfahrung ist Jeremy natürlich der beste Zahnarzt überhaupt, zumindest für mich. Und als Himgan vorgeschlagen hat, dass wir beide, da wir ja nun mal heiraten wollen, doch auch zum gleichen Zahnarzt gehen sollten, war ich schnell dabei ihn zu Dr. V zu schicken. Erfolgreich! Heute war sein erster Termin. Ich, ganz erwartungsvoll, frag Himgan wie’s denn war. Und Himgan sagt: Zahnärzte sind Zahnärzte!



Himgan, ich muss dir Recht geben, Zahnärzte
sind Zahnärzte :(
Habe mich aber trotzdem köstlich amüsiert über die wortgewandte Schilderung zum Schicksal von Zahn 29. Finde es toll, liebe Andi,das du diesen Blog gestaltet hast. So
seit ihr uns trotz der Ferne ganz nah.
Auch die Bilder sind der Hammer.
Freuen uns schon auf den nächsten Eintrag.
Liebe Grüße Lutz und Liane